Diese moderne Liebesgeschichte hat den Charme von Austens 18. Jahrhundert verloren: BRIAN VINER rezensiert Sinn und Sinnlichkeit

Wichtige Erkenntnisse
- Der Film kämpft damit, die sozialen Zwänge des 18. Jahrhunderts mit der Erzählsensibilität des 21. Jahrhunderts in Einklang zu bringen.
- Kritiker heben die Besetzung von Herbert Nordrum als Colonel Brandon aufgrund seines unpassenden Akzents als störend hervor.
- Die Adaption von Ang Lee aus dem Jahr 1995 bleibt der Goldstandard für Austens Werke und übertrifft diese Version an emotionaler Tiefe.
Jane Austens wegweisender Roman Sinn und Sinnlichkeit feiert diesen Herbst sein 215-jähriges Jubiläum, doch die neueste Leinwandadaption der Regisseurin Georgia Oakley schafft es nicht, die feine Essenz des Originalwerks einzufangen. Mit Daisy Edgar-Jones in der Rolle der bewundernswerten Elinor Dashwood versucht der Film, die sozialen Zwänge des 18. Jahrhunderts für ein modernes Publikum zu übersetzen, kämpft jedoch letztlich damit, die erzählerische Nuance beizubehalten, die Austens Literatur definiert. Obwohl die Produktion visuell atemberaubend ist, wirkt sie oft losgelöst von der spezifischen emotionalen Landschaft der Epoche.
Kritiker haben angemerkt, dass dem Film trotz guter schauspielerischer Leistungen die Tiefe von Ang Lees Meisterwerk aus dem Jahr 1995 fehlt. Das Drehbuch von Diana Reid telegraphiert oft Emotionen, die im Subtext bleiben sollten, insbesondere in Bezug auf die aufkeimenden Gefühle zwischen Elinor und Edward Ferrers, gespielt von George MacKay. Im Gegensatz zur Version von 1995, in der Emma Thompsons oscarprämiertes Drehbuch die Zurückhaltung der Ära meisterhaft navigierte, neigt diese Iteration zu taktilen, modernen Ausdrucksformen der Zuneigung, die die späteren handlungsbestimmenden Missverständnisse untergraben.
Historisch gesehen war Sinn und Sinnlichkeit ein Grundpfeiler des Kostümdramas, wobei verschiedene Adaptionen versuchten, die gegensätzlichen Temperamente der Schwestern auszubalancieren. Die Geschichte hängt vom „Sinn“ von Elinor und der „Sinnlichkeit“ ihrer impulsiven Schwester Marianne ab, die hier von Esme Creed-Miles gespielt wird. Die Herausforderung für jeden modernen Regisseur besteht darin, die Schwere der sozialen Verpflichtungen des 18. Jahrhunderts – wie lange, erstickende Verlobungen – in einem Zeitalter der sofortigen digitalen Kommunikation zu vermitteln, ein Hindernis, das dieser Film nicht effektiv überwindet.
Die Auswirkungen dieser Regieentscheidungen sind im gesamten Film spürbar, insbesondere bei der Wahl des norwegischen Schauspielers Herbert Nordrum für die Rolle des Colonel Brandon. Trotz seiner Eignung für die visuellen Anforderungen der Rolle erzeugt sein skandinavischer Akzent eine Inkongruenz, die von der essenziell englischen Natur der Figur ablenkt. Darüber hinaus stört die Einbeziehung unnötiger Actionsequenzen, wie ein Duell zwischen Willoughby und Brandon, den Rhythmus und den Ton, den das Publikum von Austens Originalmaterial erwartet.
Mit Blick auf die Zukunft bleibt der Appetit auf Jane-Austen-Adaptionen unersättlich, wobei Dolly Aldertons kommende Version von Stolz und Vorurteil im Dezember auf Netflix erscheinen soll. Während diese aktuelle Version von Sinn und Sinnlichkeit eine gewisse ästhetische Schönheit bietet, insbesondere durch die Kameraarbeit von Arnaud Potier, erinnert sie daran, dass das Einfangen von Austens Witz und sozialem Kommentar eine delikate Kunst ist. Zukünftige Produktionen müssen die interne emotionale Architektur der Charaktere über moderne stilistische Schnörkel stellen, um bei den Zuschauern wirklich Anklang zu finden.
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